RÜDIGER Die Karten

Über meine Arbeit



Die Entwicklung von zeichenhaften Formen stehen im Vordergrund. In ihrer Summe ergeben sie ein frei kombinierbares Potential von Mehrdeutigkeiten mit großer erzählerischer Kraft. Bei der Umsetzung werden die unterschiedlichsten Techniken und Mittel eingesetzt: Malerei, Druckgrafik und Linolschnitt, Glas, Licht und Installation.


„Außerdem lassen sich die Penzkofer´schen Zeichen (...) im Alltag wiederfinden. Sie geben vor, eine bekannte Figur oder vertraute Geste zu sein, können dieses Versprechen aber nicht einlösen und irritieren deshalb den Betrachter. Sie spielen eine Verwechslungskomödie mit ihm und fordern damit die kritische Reflexion des Dargestellten und der eigenen Interpretation ein.
(...)
Er fordert den Betrachter heraus, indem er ihm die Grenzen seines Imaginationsvermögens und seines bisherigen Weltbilds erkennen lässt. Gleichzeitig konfrontiert er ihn mit der Weite, Unendlichkeit, Entgrenzung, mit neuen Räumen und Zusammenhängen.
Die Bilderfindungen des Malers erscheinen als Herausforderung der Sinnerfahrung und als Provokation der menschlichen Vorstellungskraft. Seine Bilder sind auf den Betrachter angewiesen. Und der Betrachter braucht die Fiktion des Künstlers.“
Nicole Kreja, Kunsthistorikerin (Berlin)


„Was Penzkofer mit seinen Linolarbeiten ¬– und seinen piktographischen Serien generell – geschaffen hat, sind somit nicht nur mehrdeutige Zeichen in den einzelnen Bildern, sondern ist letztlich, in der Summe, ein frei kombinierbares Potential an Mehrdeutigkeiten, ein erzählerisches und philosophisches Magma, das furchtbare Erdbeben des Geistes zu veranlassen imstande ist.
Dank ihrer Mehrdeutigkeit lassen sich die Piktogramme jedoch nicht nur im Geiste des Gegenständlichen auffassen. Darüber hinaus beanspruchen sie nicht minder als Farb- und Formwerte Geltung, die, im Geiste des Ungegenständlichen, allemal geistvolle Lösungen auf der Bildfläche bieten.“
Dr. Holger Lund, Kunsthistoriker (Stuttgart)


„Klar, karg, strukturiert – das sagt uns der erste Blick und dieser trügt. Was nach festgefügter Systematik aussieht ist nur Spielanleitung für Phantasie und Erkenntnis. Penzkofer entführt uns in eine Welt der Zeichen, die genommen sind aus den Zeichen der Welt, die wir leben. Es sind Muster des Alltags oder besser unseres kulturell geprägten Alltags.
(...)
Penzkofers piktographische Serien sind keine Lösungsrätsel, die ein richtig oder falsch zur Folge haben. Es sind keine ausdrücklichen Botschaften oder festgelegte Begriffe. Es sind Signale und Zeichen eines modularen Systems. Die Reduktion auf das Wesentliche macht den Gegenstand zum Symbol und gleichzeitig zum Bauelement eines Hauses, das wir, die Betrachter, uns selbst errichten aus den Anrührungen unserer eigenen Geschichte.“
Volkmar Köhler, Künstler, Gemmingen


„Die Aura in den Werken (...) liegt in ihrer Einfachheit und ihrem völlig unmanierierten Auftritt. Sie vermitteln den Eindruck, dass das Gezeigte gerade so richtig sei. Es gibt weder Opulenz zu bestaunen noch gilt es die Barrieren des Selbstreferentiellen subjektiv zu überwinden. Weder besticht uns das unglaubliche Format: noch wird eine Materialschlacht geführt.
Einfachheit ist viel bemerkenswerter! Die Konkurrenz des sich Vordrängenden bestimmt längst unseren Alltag. Wir leben in einem Verlust der leisen Töne, in einem Gebiet jenseits der Sanftheit und weit weg von der Bescheidenheit, die sich findet: indem sie das kleine Eigene sucht.
Das „kleine Eigene“: das klingt so beschaulich, als gälte es aus Weltflucht zu einem neuen Biedermeier zu kommen. „Einfach“ müssen wir deshalb als „elementar wichtig“ definieren, d.h. als die künstlerische Leistung, die aus dem Vielen auf das Eine lenkt, in dem Einen das Einzigartige bemerkt und eben dieses Einzigartige fest schreibt und damit bewahrt.
Prof. Dr. Helge Bathelt, M.A., Herrenberg


„Der Betrachter (...) wird Stolpersteine finden, immer wieder aufs Neue. Er wird irritierende Zusammenhänge finden und vielleicht zu dem Schluss kommen, dass es keine Erklärung gibt, kein gesichertes Wissen, dass schließlich nichts bleibt, als die Dinge zu belassen wie sie sind, sie als unbegreiflich stehen zu lassen. Ihre Behauptung ebenso ernst zu nehmen wie ihre Frage. Und wenn er sich abwendet, wird dieser Betrachter feststellen, dass er viel mehr mitnimmt als ihm die Bestätigung seiner Annahmen und Assoziationen hätte geben können: Er wird die Freude mitnehmen, die die Erkundung des Unbekannten, Ungewohnten, Unbegreiflichen ihm bereitet hat. Er wird das Moment des Hinterfragens mitnehmen und sich vielleicht auch in anderen Situationen, die zunächst eindeutig scheinen, nicht mit der erstbesten Assoziation zufrieden geben, sondern fragen >ist es so?<“
Annegret Weimer in „Rüdiger Penzkofer, Arbeiten 2005/2006“, Schorndorf 2006


„Wieweit reicht die Fähigkeit des Menschen über Gesehenes zur Erkenntnis der Wirklichkeit zu gelangen? Eine Frage, die Penzkofer mit den Mitteln seiner Hinterglasbilder stellt. Sie bestehen aus fünf Schichten: Acrylglas, Lack auf Glas, Papier auf Glas (hintere Seite), Lackstiftzeichnung auf Glas (Vorderseite), Schutzglas. Das Licht-Farbspiel ist hier ohne Bedeutung, vielmehr geht es um die Überlagerung von Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten, Erinnerungs- und Assoziationsvermögen und damit letztlich unserer Vorstellungen von der Wirklichkeit. Penzkofer hinterfragt indem er bekannte Landschaftsfotos bearbeitet. Elemente werden dabei entfernt bis Module zurückbleiben: Flächen und Linien, aus denen sich ein neues Bild zusammensetzt. Dieses ist mit der ursprünglichen Aufnahme nicht mehr identifizierbar. Was erinnert den Betrachter dennoch daran? Penzkofer provoziert, indem er die Erinnerung weckt, die mit Hilfe der Assoziation im Neuen Bekanntes entdecken will.“
Heike Miess, Kunsthistorikerin (Waiblingen)





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